Klinik Hohe Mark

fachlich kompetent, christlich engagiert

fachlich kompetent –
    christlich engagiert

Die DGD-Kliniken sind ein christlicher Klinikverbund, der den einzelnen Patienten als Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns stellt und zugleich eine medizinische und pflegerische Versorgung auf höchstem Qualitätsniveau sicherstellt.

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Aktuelles

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20.09.2016

Hilfe für Ruanda - ein dankbarer Rückblick

Dr. Joachim Drechsel, u.a. Mitglied der Geschäftsführung der DGD-Kliniken GmbH/Marburg, berichtet über ein erfolgreiches Hilfsprojekt in Ruanda/Afrika.  Von Beginn an, seit 2008, hat auch die Klinik Hohe Mark diese Arbeit materiell und personell unterstützt.

An dieser Stelle sagt die Klinik Hohe Mark ein herzliches Dankeschön an Dr. Drechsel, für sein weitsichtig und nachhaltig gegründetes Projekt. Ebenso danken wir Katja und Tim Bluthardt, dass sie diese Arbeit vor Ort aufgebaut und - gemeinsam mit den Diakonissen vor Ort - zu einem großen Erfolg geführt haben.

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(Rubengera/Ruanda) - Die Idee entstand auf einer Studienreise nach Ruanda im Jahr 2008. Aus dem 1996 eröffneten Waisendorf der Schwesternschaft in Rubengera wurden immer mehr Kinder erwachsen. Beruflich Ausbildung war nach der Katastrophe des Genozids noch recht schwach entwickelt - vor allem im handwerklichen Bereich. 

Wäre Holzverarbeitung nicht etwas - besonders für die Jungs? Eine Doppelgarage auf dem Mutterhausgelände stand meist leer. Dort könnten wir anfangen!

Doch dann kamen Tim und Katja Bluthardt ins Spiel. Sie hatten sich vorgenommen, aus Dankbarkeit gegenüber Gott zwei Jahre für ein Projekt im Ausland zu verbringen. Afrika war dabei nicht im Blick. Doch nach einem Kurzbesuch haben sie sich in Menschen und Land verliebt. Im Sommer sind sie nach fast fünf Jahren mit ihrer Tochter Lotte Mugisha aus Ruanda zurückgekehrt.

Die Garage hat in all diesen Jahren keine Rolle gespielt. Die Zurückhaltung gegenüber der Idee war anfangs nicht gering, die begründeten Bedenken vielfältig. Wie passt eine Schreinerausbildung zur Schwesternschaft? Ist es überhaupt denkbar und kulturell vermittelbar, dass auch Schwestern eine solche Ausbildung absolvieren?

Langsam reifte der Entschluss, es zu wagen. Schnell konnten wir uns darauf einigen, dass Tim als ausgebildeter Schreiner und Sozialpädagoge den Aufbau dieser Ausbildung und Katja als Englisch-Lehrerin diese zwei Jahre in Rubengera einsetzen werden. Christliche Fachkräfte International (CFI) haben die Organisation übernommen. Die presbyterianische Kirche stellte weiteres Land in der Nähe des Mutterhauses zur Verfügung.

Mehrfach mussten die Programme an das sich weiter entwickelnde Ausbildungssystem des Landes angepasst werden. Eine große Initialspende der DGD-Kliniken ermöglichte den Start. Privatpersonen und Firmen wurden seither - spätestens nach Besuchen in Ruanda - zu engagierten Förderern.

Die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und den Regierungsstelle wurde immer wichtiger. Aus der Garagenidee wurde ein Pilotprojekt, das heute im ganzen Land bekannt ist und in der beruflichen Ausbildung Maßstäbe setzt.

Inzwischen wurde in Ruanda eine zwölfjährige Schulpflicht eingeführt. In den letzten drei Jahren kann diese auch mit einer beruflichen Ausbildung kombiniert sein. Die Rubengera Technical Secondary School (RTSS) hat ihre Lehrpläne diesem System angepasst. Doch zunächst waren die Voraussetzungen zu schaffen. Zuerst wurde eine Werkstatt errichtet und mit sehr guten gebrauchten Maschinen aus Deutschland ausgestat-tet, parallel dazu Holz gekauft und zum Trocknen gelagert. 2012 haben die ersten 15 Schüler mit der Ausbildung begonnen - darunter vier Mädchen.

Das Studienzentrum mit den Unterrichtsräumen war noch nicht erstellt, und wurde zum Teil mit ihnen im Rahmen der praktischen Ausbildung errichtet. Tim und Katja haben ihren Vertrag mit CFI um ein weiteres Jahr verlängert. Es galt, die Schule zu organisieren, Lehrer zu finden und weiterzubilden, wirtschaftliche Probleme zu überwinden. Schwester Marie-Louise war bereit, die Aufgabe der Direktorin zu der RTSS übernehmen. Dass sie als Leitungsmitglied der Schwesternschaft einmal eine solche Aufgabe übernehmen könnte, hätte sie sich vor Jahren nicht einmal im Traum vorstellen können.

Ein Community-Pavillon wurde auf dem Gelände eingerichtet. Geschäftsführung und Auszubildende der Firma Fingerhaus in Frankenberg haben sich daran praktisch beteiligt. Hier hat Katja Englischkurse für die Menschen aus der Nachbarschaft angeboten und eine Bibliothek mit englischsprachigen Büchern aufgebaut.

Da die Zahl der Schüler wuchs, die aufgrund der Entfernung nicht zu Hause wohnen können, war die Organisation einer Küche und die Bereitstellung von Unterkünften eine zusätzliche Aufgabe. Ungewohnt war dabei, dass Schüler und Lehrer ihre Mahlzeiten gemeinsam einnehmen, auch die Andachten gemeinsam gestalten.

Der Projektauftrag: Aufbau der Schule war erfolgreich erledigt. Tim und Katja hätten im Sommer 2014 ihren Einsatz in Ruanda beenden können. Doch nochmals kam es anders. Dank der intensiven Vernetzung mit den verschiedensten Partnern wurde Tim eine Anstellung über die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) angeboten.

Das Thema der handwerklichen beruflichen Ausbildung besonders auch im Holzbereich hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Regierung ist vor allem an dualer Ausbildung interessiert. Curricula, Tests und Prüfungen werden gemeinsam mit der RTSS entwickelt. Für Bluthardts bedeutet das nochmals eine zweijährige Verlängerung. Neben den landesweiten Aufgaben war die Begleitung und Beratung der RTSS gut möglich.

Ende 2015 haben die 15 ersten Studierenden ihre Prüfungen mit landesweit besten Ergebnissen absolviert. Im März 2016 hat schließlich die Graduierung stattgefunden. Das Ausbildungsministerium, die Deutsche Botschaft, Verantwortliche der GIZ, viele nationale und internationale Gäste (u. an eine Studiengruppe aus Rotary Clubs in Marburg und Weilburg) haben mit den Absolventen, ihren Familien und der gesamten Schwesternschaft gefeiert.

Die Regierung hat der RTSS ein Stück Wald geschenkt. Die Rotary Clubs haben ein Aufforstungsprogramm gestartet. Die Kirche hat einer nochmaligen Grundstückserweite-rung zugestimmt. Unterkünfte für Auszubildende, eine Küche, ein Speiseraum sind noch zu errichten.

Außerdem gibt es Pläne für Erweiterungen. Wie können die Absolventen in den ersten Jahren begleitet werden? Welche beruflichen Perspektiven können in der Nähe der RTSS entwickelt werden? Welche Produkte können in Kooperation mit dem Maschinenpark der RTSS auf den Markt gebracht werden? Können wir weitere Schritte in Richtung eines dualen Studienzweigs in der Holzverarbeitung und Holzwirtschaft wagen?

Schließlich steht die Doppelgarage meistens immer noch leer. Tim wird in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit der RTSS und der GIZ die Entwicklung weiter begleiten. Für den Schulbetrieb, besonders auch zur Unterstützung der Schüler, deren Familien die Studiengebühren nicht aufbringen können, und die Entwicklung des gesam-ten Campus brauchen wir weiter Unterstützung.

Herzlichen Dank allen, die den bisherigen Weg ermöglicht haben und weiter mit der Schwesternschaft in Ruanda und ihren Aufgaben verbunden bleiben.

Dr. Joachim Drechsel
Vorstandsvorsitzender DGD-Stiftung Kuratoriumsvorsitzender
DGD-Förder-Stiftung   


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