Opfern von Gewalt soll schneller geholfen werden! Klinik Hohe Mark beteiligt sich am OEG-Trauma Netzwerk Hessen

Gießen: Die Klinik Hohe Mark gehört zu einem Kreis von 13 ausgewählten Krankenhäusern, die an einem Modellversuch für Opferbetreuung und Opfersoforthilfe teilnehmen. Dazu wurde am 22. September 2015 im Alten Schloss Gießen das OEG-Trauma-Netzwerk Hessen offiziell eingeführt und die Verträge unterzeichnet.
Das Oberurseler Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik wurde von DGD-Geschäftsführer Dr. Michael Gerhard und Krankenhausdirektorin Anke Berger-Schmitt vertreten. Stellvertretend für das Land Hessen hat das Regierungspräsidium Gießen die Federführung für dieses Projekt übernommen. Regierungspräsident Dr. Lars Witteck bedankte sich für die Kooperationsbereitschaft aller beteiligten Kliniken:
"Ich bin dankbar dafür, dass wir gemeinsam mit Ihnen daran arbeiten können, dass seelische Verletzungen durch Gewalterfahrungen so gut und schnell wie möglich behandelt werden!"
Hintergrund dieser bundesweiten Initiative ist der Umstand, dass die bisherige Umsetzung des sogenannten OEG "Opfer-Entschädigungs-Gesetz" sehr bürokratisch verläuft und oft zu viel Zeit bis zur Bereitstellung therapeutischer Hilfen vergeht. Damit aber können die psychischen Folgeschäden immer schwer werden und auch chronifizieren. Witteck verweist deshalb auf erste Erfahrungen im OEG-Trauma-Netzwerk Rheinland-Pfalz:

"Wenn die psychotherapeutische Behandlung nach einer Gewalterfahrung mit psychischen Symptomen zeitnah eingeleitet wird, sind bei Betroffenen schon nach der fünften Sitzung deutliche Besserungen nachweisbar!"

Im voll besetzen Netanya-Saal des Gießener Alten Schlosses war der politische Wille deutlich spürbar, neue Wege der Zusammenarbeit mit den Kliniken zu suchen, um betroffenen Menschen schnell zu helfen. Schließlich greift das OEG nur deshalb, weil es leider täglich vorkommt, dass das staatliche Gewaltmonopol zum Schutz der Bürger versagt.

Uniklinik Gießen und die Klinik Hohe Mark

Für die Delegation der Klinik Hohe Mark gab es am Rande der Veranstaltung noch eine ermutigende Begegnung mit Prof. Dr. Bernd Gallhofer, dem Geschäftsführenden Direktor des Zentrum für Psychiatrie am Universitätsklinikum Gießen. Der renommierte Psychiater freute sich über die Projektbeteiligung der "Hohe Mark". Schließlich habe er von den langjährigen Trauma-Behandlungserfahrungen der Klinik profitiert, und von dort das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing, eine spezifische Methode zur Behandlung psychischer Traumata) gelernt und übernommen.

"Es ist gut, dass Sie mit dabei sind!" meinte er und weiter: "Schließlich haben Sie einen sehr guten Ruf, denn bei Ihnen kommt das Humane nicht zu kurz!"

Ein schönes Lob, aber auch eine Verpflichtung für die kommenden Herausforderungen im OEG-Trauma-Netzwerkes Hessen.
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Die Vereinbarungen sieht unter anderem folgende Aufgaben vor:

  • Sprechstunden und Termine für Akut-Opfer von Gewalt (in der Klinik Hohe Mark in Oberursel, Friedländerstraße 2, und in den Räumen der Psychiatrischen Ambulanz – PIA- der Klinik Hohe Mark in Frankfurt, Burgstraße 106) sowie eine telefonische Notfallbereitschaft außerhalb dieser Zeiten
  • Administrative Unterstützung hilfesuchender Person bei der Antragstellung nach dem OEG innerhalb der ersten Sitzung
  • Überleitung in weiterführende psychotraumatherapeutische Einrichtungen

Präambel des Vertrages zum OEG-Trauma-Netzwerk-Hessen Präambel

Dieser Vertrag betrifft alle … Erwachsenen …, die Opfer einer Gewalttat nach dem Opferentschädigungsgesetz geworden sind. Opfer von Gewalttaten erleiden häufig psychotraumatische Belastungen, deren akute und chronische Folgen in der Vergangenheit nicht bzw. nicht hinreichend erkannt und/oder behandelt wurden. Nach den Ergebnissen aktueller Studien sollten Gewaltopfer möglichst frühzeitig einer fachkompetenten Untersuchung und Behandlung unterzogen werden, damit durch ein·rasches, fachkompetentes therapeutisches Eingreifen verhindert werden kann, dass die psychischen Folgen der Gewalttaten sich bei den Betroffenen dauerhaft als Gesundheitsstörungen verfestigen. Aus diesem Grund wurde seitens des Regierungspräsidiums Gießen ein Konzept für ein fachärztliches und fachpsychologisches Netzwerk entwickelt, durch das den Betroffenen in allen Regionen Hessens fachkompetente Untersuchung und Therapie zeitnah zur Gewalttat angeboten werden kann. Die KL ist im Rahmen eines Modellversuchs und in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Gießen sowie dessen nachgeordneten und mit der Vertragserfüllung beauftragten Hessischen Ämtern für Versorgung und Soziales (HÄVS) in dieses Projekt eingebettet und stellt im Rahmen einer Stützpunktfunktion ein ambulantes Angebot für Gewaltopfer zur Verfügung. Ziel ist das Angebot von schneller und kompetenter Hilfe für Opfer von Gewalttaten, so dass chronische Belastungsstörungen und psychische Langzeit- und Spätfolgen vermieden werden können.

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  • Krankenhausdirektorin Anke Berger-Schmitt und DGD-Kliniken Geschäftsführer Dr. Michael Gerhard mit dem OEG-Trauma-Netzwerk-Hessen Vertrag in Händen.
Vertreter von 13 Kliniken des OEG-Trauma-Netzwerkes Hessen für Erwachsene sowie 5 Kliniken für Kinder und Jugendliche. 
Dr. Lars Witteck (vorne rechts), Dr. Michael Gerhard und Anke Berger-Schmitt (oben ganz links).

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