Für viele Therapeutinnen und Therapeuten aus dem Bereich der Suchtmedizin hat sich der Fachtag der TagesReha Frankfurt als fester Termin im Jahreskalender etabliert. Zu den rund 100 Gästen der Veranstaltung zählten aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Reha-Einrichtungen, Fachkliniken sowie Patientinnen und Patienten. Moderiert wurde die diesjährige Veranstaltung von der Oberärztin der TagesReha, Dr. Elisabeth Abberger.
In ihrer Begrüßung wies Anke Berger-Schmitt, Geschäftsführerin der DGD Klinik Hohe Mark, auf die Bedeutung des Themas hin: „Wir erleben eine wachsende Zahl chronifizierter Suchtprobleme bei Erwachsenen. Die Behandlung kann am besten gelingen, wo Behandelnde und Beratende sektorübergreifend zusammenarbeiten.“
Frau Dr. Sterzel, Stadträtin und Mitglied des Magistrats der Stadt Frankfurt, betonte in ihrem Grußwort, wie bedeutend die Arbeit der TagesReha als Brücke zwischen stationärer und ambulanter Behandlung ist: „Ich konnte mit einigen Ihrer Patientinnen und Patienten sprechen und habe verstanden, wie wichtig es ist, dass die TagesReha hier Struktur und Sicherheit in den Alltag bringt“. Und an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TagesReha gerichtet sagte: „Herzlichen Dank für Ihre wundervolle Arbeit für die Stadt Frankfurt.“
Im Anschluss gab Marie-Susann Stockmann, Leiterin der Seelsorge in der DGD Klinik Hohe Mark, einen Impuls zum biblischen Dreiklang „Glaube, Liebe, Hoffnung“. Dr. Gerhard Sütfels, der in der DGD Klinik Hohe Mark für die TagesReha Frankfurt als Chefarzt verantwortlich ist, beschrieb danach in seinem Vortrag Faktoren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Suchterkrankung führen: „Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, aber wer in der Kindheit Missbrauch oder Vernachlässigung erlebt hat oder in einer dysfunktionalen Familie aufwächst, hat ein viel größeres Risiko eine Depression oder Suchterkrankung zu entwickeln.“ Zum Beitrag gehörte aber auch eine Betrachtung von Faktoren, die eine Therapie gelingen lassen. Dazu gehöre, so Sütfels, das richtige Erfassen der Erkrankung ebenso wie die Bildung von Veränderungsmotivation, realistische Planung und Begleitung bei der Umsetzung von Maßnahmen. Er erklärte dazu: „Nicht einzelne Maßnahmen wirken allein, sondern Beziehung, Kontinuität und Teilhabe.“ Auch Dr. Gerhard Sütfels betonte die Wichtigkeit des Zusammenspiels verschiedener Akteure der Suchthilfe: „Ich frage bei jeder Patientin und bei jedem Patienten vor der Entlassung aus der stationären Suchtbehandlung, wie es nach dem Klinikaufenthalt weitergeht. Wenn in den Plänen das Wort ‚Selbsthilfegruppe‘ nicht vorkommt, weiß ich, dass es schwierig wird.“
Besonders eindrücklich waren beim Fachtag die Erfahrungsberichte von Patientinnen und Patienten. So berichtete ein Patient von einer traumatischen Kindheit und seinem Alkoholkonsum als Bewältigungsstrategie – und dem langen Weg zurück in die Normalität. „Ich habe bei der Hilfe ganz verschiedene Angebote in Anspruch angenommen. Jedes Mal habe ich etwas mitgenommen, aber es hat lange gedauert, bis sich eine echte Besserung eingestellt hat. Der besondere Beitrag der TagesReha Frankfurt lag darin, dass ich dort so viel Ermutigung und Menschlichkeit erfahren habe und mich dort einfach sicher fühlen durfte. Vor ein paar Jahren hätte ich zu meinem Leben gesagt, dass der Zug abgefahren ist. Heute denke ich, dass der Zug einfach nur Verspätung hatte.“ In einem anderen Bericht einer Patientin wurde deutlich, wie entscheidend das nahtlose Zusammenspiel von Entgiftung, stationärer Motivationsbehandlung, TagesReha und der anschließenden Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist. „Wenn da etwas fehlt“, so das Resümee, „dann ist der Rückfall vorprogrammiert.“
Im Anschluss konnte das Mitmach-Programm der Bewegungstherapeutin Katharina Peters zur allgemeinen Auflockerung beitragen. In weiteren Beiträgen berichtete die Suchttherapeutin Hanna Lindhorst von der TagesReha Frankfurt aus der Praxis über gelingende Netzwerkarbeit. Marthe Simon, Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in der TagesReha, stellte eine ambulante Informations- und Vorbereitungsgruppe vor, die besonders niederschwellig konzipiert ist und so einen optimalen Einstieg in die Therapie ermöglichen soll.
Zum Abschluss moderierte die Suchttherapeutin Valentina Komusin aus der Suchtfachambulanz der TagesReha eine Podiumsdiskussion mit ehemaligen Patientinnen und Patienten, die mit großer Offenheit über die Herausforderungen ihrer Erkrankung sprachen. Von diesem Austausch profitieren beide Seiten. So sagte ein ehemaliger Patient nach der Veranstaltung: „Hier offen über meine Suchtprobleme zu sprechen, ist für mich Teil der Bewältigung, ein weiterer Schritt zum Gesundwerden.“
Der Fachtag der TagesReha Frankfurt findet seit 14 Jahren jährlich in Frankfurt statt. Neben Fachvorträgen steht immer auch eine Zeit zum Networking auf dem Programm. Dieses Jahr ist es erneut gelungen, unterschiedliche Erfahrungen, Fachbereiche, Suchhilfeeinrichtungen Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Fachdienste, Interessierte und Betroffene zusammenzubringen, zu vernetzen und so wichtige Brücken zu bauen.
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