Mit dem neuen Format hat die gemeinnützige Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin sofort großes Interesse geweckt: Schon Wochen vor dem Symposium war die Veranstaltung vollständig ausgebucht. Zu Beginn des Symposiums begrüßte Prof. Dr. Markus Steffens, Ärztlicher Direktor der DGD Klinik Hohe Mark, die Gäste und stellte das Leitthema „Depression: bio‑psycho‑sozial‑spirituelle Ansätze“ vor. Er verwies auf rund sechs Millionen betroffene Menschen allein in Deutschland und auf die hohe individuelle und volkswirtschaftliche Relevanz depressiver Erkrankungen, von Arbeitsunfähigkeitstagen über Frühberentungen bis hin zu erhöhter Mortalität. Gleichzeitig betonte er, dass Depression gut behandelbar sei – sofern biologische, psychologische, soziale und spirituelle Dimensionen gemeinsam in den Blick genommen werden. Wichtig sei außerdem, dass sich betroffene Menschen nicht durch eine gesellschaftlich immer noch vorhandene Stigmatisierung von einer professionellen Behandlung abhalten lassen.
Anke Berger‑Schmitt, Geschäftsführerin der DGD Klinik Hohe Mark, ordnete das Symposium in die Entwicklung und das Selbstverständnis der Klinik ein. Sie unterstrich, dass das Programm für das stehe, „was die Hohe Mark ausmacht“: multiprofessionelle Zusammenarbeit, eine große Bandbreite therapeutischer Angebote und das Verständnis, dass Menschen unterschiedliche Zugänge zur Behandlung benötigten.
Dr. Nikolaos Sapoutzis, Leiter des Gesundheitsamts des Hochtaunuskreises, überbrachte die Grüße des Kreises und würdigte die Hohe Mark als „zentralen Bestandteil der Versorgung“. Er knüpfte an die von Prof. Steffens genannten Zahlen und die hohe Dunkelziffer an und betonte, wie stark Depression nicht nur das Gesundheitswesen, sondern gesamte Lebensbereiche – Familien, Arbeitsplätze, Freundeskreise – betreffe.
Impulsvortrag: „Über Hürden zum Erfolg“
Den Auftakt der Fachvorträge gestaltete der Olympiamedaillengewinner und Keynote‑Speaker Edgar Itt mit seinem Impulsvortrag „Über Hürden zum Erfolg“. Er unterschied plastisch zwischen „Olympia“ als dreiwöchigem Sport-Höhepunkt und der „Olympiade“ als vierjährigem Weg aus Training, Rückschlägen und Anpassung – ein Bild für langfristige Veränderungsprozesse im Leben. Und selbstverständlich ging es bei Itt als ehemaligem Hürdenläufer auch um die Hürde. Diese werde oft nur als Problem gesehen, könne aber zur Chance werden, wenn man den eigenen Umgang mit ihr verändere und aus Herausforderungen Lernprozesse mache.
Sport- und Bewegungstherapie bei Depression
Im anschließenden Fachvortrag „Sport‑ und Bewegungstherapie bei depressiven Störungen“ verband Prof. Dr. Andreas Broocks biografische Erfahrungen, psychiatrische Praxis und die Ergebnisse von vielen Jahren in der Forschung. Er schilderte eine eigene psychische Krise in der Jugend, in der langes Laufen durch Wälder zu einer spürbaren Reduktion von Spannungszuständen führte – ein Erleben, das er später mit dem christlichen Glauben und intensiver Wahrnehmung von Natur verknüpfte. Auf dieser Basis entwickelte Broocks erfolgreich strukturierte Bewegungsprogramme für psychisch schwer erkrankte Menschen. Er berichtete von Studien, in denen sportliche Ausdauerbelastung zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome verschiedener psychischer Erkrankungen führte. Broocks beschrieb praxisnah, wie wichtig Motivation, Psychoedukation und begleitendes Coaching sind, damit Patientinnen und Patienten ein verlässliches Bewegungsprogramm über mehrere Monate durchhielten. Dabei betonte Broocks aber auch, dass Sport‑ und Bewegungstherapie nicht als Ersatz für Tabletten verstanden werden dürfe. Sie sei vielmehr eine wirksame Ergänzung zu Pharmakotherapie und Psychotherapie – mit spezifischen positiven Effekten auf Stimmung, Antrieb und körperliche Gesundheit.
Das Gefühl der Gottesferne als Symptom bei Depression
Ein zentrales Thema des Symposiums war der schmerzhafte Verlust des religiösen Empfindens bei depressiven Erkrankungen, den Prof. Dr. Sonja Friedrich-Killinger in ihrem Vortrag „Wenn Gott fern erscheint“ tiefgehend beleuchtete.* Sie führte aus, dass viele gläubige Patientinnen und Patienten in einer Depression nicht nur Antriebslosigkeit und innere Leere, sondern auch einen Abbruch ihrer Beziehung zu Gott erlebten. Dies führe bei Betroffenen häufig zu starken Schuldgefühlen oder der qualvollen Annahme, der eigene Glaube sei zu schwach oder Gott habe sie verlassen. Daher sei es besonders wichtig, Patientinnen und Patienten zu vermitteln, dass das fehlende Erleben Gottes ein Symptom der Erkrankung sei. Durch eine leitliniengerechte Depressionsbehandlung, die religiöse Bindungsmuster offen und respektvoll einbeziehe, könnten Glaubensressourcen wieder zugänglich werden – was häufig mit einem deutlichen Rückgang depressiver Symptome einhergehe.
Schematherapie als integratives Verfahren bei Depression
Zum Abschluss der Fachvorträge betrachtete Dr. Friederike Vogel, Chefärztin der DGD Klinik Hohe Mark, den Stand der Schematherapie bei depressiven Störungen. Sie erklärte den Grundansatz dieser Therapieform als „Brücke zwischen den Schulen“ – einem integrativen Verfahren, das Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie und der Tiefenpsychologie mit beziehungsorientierten und emotionsfokussierten Anteilen verbinde. Zentral sei dabei die Therapiebeziehung: In dieser griffen Therapeutinnen und Therapeuten unerfüllte kindliche Grundbedürfnisse u. a. nach Sicherheit, Wertschätzung und Autonomie auf und könnten so korrigierende Erfahrungen ermöglichen. Mit Techniken wie „Imagery Rescripting“ oder speziellen Stühle-Dialogtechniken lernten Patientinnen und Patienten, ihre Bedürfnisse angemessen zu erfüllen und belastende Muster zu verändern. Dies führe bei chronischen, komplexen Depressionen, insbesondere wenn zudem Persönlichkeitsstörungen vorliegen, häufig zu nachhaltigen Verbesserungen.
Workshops: Breites Spektrum therapeutischer Ansätze
Am Nachmittag vertieften Workshops das Spektrum der im Symposium vorgestellten bio‑psycho‑sozial‑spirituellen Ansätze. Die Themen reichten von Psychopharmakotherapie über Imagery Rescripting und Musik‑ bzw. Tanztherapie bis hin zu christlicher Seelsorge, pflegerischer Beziehungsgestaltung und Sport‑ und Bewegungstherapie – jeweils verantwortet von Fachpersonen der DGD Klinik Hohe Mark und externen Expertinnen und Experten.
Impuls des neuen Symposiumsformates
Mit dem neuen Symposiumsformat setzt die Klinik einen deutlichen Impuls für einen diskursfähigen, evidenzorientierten und wertebasierten Umgang mit depressiven Störungen – und knüpft zugleich an ihr eigenes Selbstverständnis an, Menschen nicht auf Diagnosen zu reduzieren, sondern in ihrer gesamten Lebensgeschichte, ihren Beziehungen, ihrem Körper und ihrer Spiritualität wahrzunehmen.
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Die Videos der Fachvorträge von Prof. Friedrich-Killinger, Dr. Vogel und Prof. Broocks werden auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht:
DGD Klinik Hohe Mark gGmbH - YouTube
* In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die Antrittvorlesung von Prof. Dr. Sonja Friedrich-Killinger am 26. Oktober 2026 mit dem Titel: "Religiosität und psychische Gesundheit: Relationale und bindungsbezogene Prozesse" hinweisen (Vinzenz Pallotti University). Die Vorlesung wird per Microsoft Teams live ins Internet übertragen. Weitere Informationen unter: vp-uni.de/events/antrittsvorlesung-friedrich-killinger/
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